Gabó BARTHA

Gabó Bartha: Terrapolis Tarcal, 2019 

3-Kanal-Videoinstallation, Kamera und Schnitt von Endre Koronczi

Ich liebe es, gut zu essen[1]. Schon seit längerer Zeit erforsche ich Lebensmittel. Ich spreche und schreibe über sie, stelle sie aus, organisiere sie, erzeuge sie, sammele sie und bereite sie zu. Ich esse und füttere andere.

Zur Rettung des Marktplatzes am Hunyadi Platz in Budapest begann ich eine lokale Gemeinschaft zu organisieren. Dabei habe ich diesen Teil der Lebesnmittelherstellung näher kennengelernt, beteiligte mich an der Organisation von Konferenzen und Ausstellungen über Märkte und nahm an internationalen Biodiversitätstreffen von politisch aktiven Erzeugern teil. Die gesellschaftliche Praxis ergänzte sich mit der ökologischen, als ich nach der erfolgreichen Rettung des Marktes damit begann, am Tokaj-Hegyalja (Tokaj-Untergebirge) einen Garten anzulegen. Das führte 2016 zum Permakultur-Garten Terrapolis und zum dazugehörenden Gästetisch in Tarcal, wo ich mich ausschließlich mit dem Garten und dem Tisch beschäftige – nach wie vor auf der Schnittstelle unterschiedlichster Bereiche (ein rein ökologisch bewirtschafterer Garten würde eine höhere Biodiversität aufweisen). Bei der Namensgebung von Terrapolis standen Donna Haraway und Enikő Balla Patin. Seine Totempflanzen sind die Gartenmelde und der Mangold.

Terrapolis ist im Vergleich zu den mit einem klaren Zweck und einer klaren Zielsetzung gepflegten Kleingärten eine andere Art von Garten. Er gehört zur kontemplativen Sorte der Permakultur, in der die Pflanzen mehr und mehr freien Raum bekommen.

Als ich damit anfing, anderen Essen zuzubereiten, war mir noch nicht bewusst, dass das mit so viel Blätterzupfen einhergeht. Aber beim langsamen Zupfen und Nesteln sprachen die Pflanzen mich an. Ich erkannte in ihnen die Person und in mir die Pflanze.

Am Tisch kann ich durch meine „Mitpflanzen” und durch andere lebende und leblose Gefährten meine im Garten gemachten Erkenntnisse, meine Empfindungen über Lebensmittel und alles, was damit zusammenhängt, vermitteln. Dein mein Leib ist mein dein Leib. Das ist ein artenübergreifendes, lang andauerndes Geschichtenerzählen.

An der Ausstellung hätte ich vor allem teilgenommen, um die Gäste zu empfangen. Dazu konnte es jedoch nicht kommen. Auf früheren Ausstellungen habe ich viele Fotos präsentiert. So wie ich stets Bedenken habe, ob die Blätter und Blumen ohne Zustandsverschlechterung transporitierbar sind, ruft die Präsentation des Gartens in einer Videoinstallation in mir ein Gefühl des Mangels hervor.

Die Videos sind in einem frühen, auf einen milden Winter folgenden März entstanden. Die Mehrjährigen begannen gerade erst sich zu zeigen. Die Pflanzen des vergangenen Jahres waren noch so zu sehen, wie sie überwintert hatten. Wir tasten den Garten mit den Augen von Blatt zu Blatt ab und pflücken essbare Pflanzen. Im zweiten Video zeige ich ein peu à peu entstandenes, verlangsamendes Gericht, bei dem die Teilnehmer aus ihrer eigenen Zeit herausgeworfen werden (wie ist die Zeit der Pflanzen?): eine Verkostung von Blättern und Blüten mit Sauerteigbrot und hiesiger Butter (es ist eine leicht bizarre Situation, das ohne Tischgesellschaft der Kamera zu erzählen). Und nach einem langen Tag hat mich Endre Koronczi noch zu dieser Chimäre[2] (das wurde dann das Lesestück zu mitnehmen) weiter befragt, und in der Nacht belauerten wir die Regenwürmer.

[1] Jacques Derrida, „Eating Well”, or the Calculation of the Subject: An interview with Jacques Derrida. In E. Cadava, P. Connor and J-L. Nancy (eds.), Who Comes After the Subject? New York and London, Routledge, 1991.

[2] Donna Haraway, SF: Speculative Fabulation – String Figures. In: The Book of Books. Documenta (13), ed. Katrin Sauerlander. (Ostfildern, Hatje Cantz Verlag, 2012.), 253–255.

http://terrapolistarcal.blogspot.hu

Übersetzung: Judit Lőrincze 

Terrapolis Tarcal, Videoinstallation, Detail, 2019, März 10

https://youtu.be/JwTG99z2IfY